In letzter Zeit geht es hier ja neben den ganzen Lexware-Themen auch vermehrt um Gründung, Selbständigkeit etc. Ich befasse mich derzeit recht viel mit diesen Themen, lese einiges darüber und mache mir auch so meine Gedanken. Heute Mittag kam es auf Twitter zu einer kleinen Debatte, ob bzw. dass doch Frauen sich nicht beschweren sollten, dass sie keine Führungspositionen bekommen, gründen könne ja schliesslich jede_r.

Diese Aussage, zumindest der zweite Teil dieser, ist grundsätzlich nicht falsch. Können, als der theoretische Sachverhalt, ist für jede_n möglich. Aber dennoch liegen Frauen bei den Unternehmensgründungen im Vergleich mit Männern deutlich zurück. Diesen Umstand kann man nun einfach so abtun oder man fragt sich, woran liegt das denn?

  • Wollen Frauen vielleicht einfach keine Unternehmerinnen sein?
  • Liegt es daran, dass Männer Frauen daran hindern, den Weg in die Selbständigkeit zu gehen?
  • Ist das alles vielleicht einfach nur “Männersache”, ein Unternehmen zu führen?
  • Auch kann man sich fragen, welchen Stellenwert denn Selbständigkeit bzw. UntermerInnentum hierzulande allgemein haben?

Die Fragen 2 und 3 kann man recht klar mit “das ist doch alles Quatsch” beantworten.

Eine aktuelle Auswertung der DIHK zum Gründerreport 2014 zeigt, dass der Anteil der Frauen, welche sich bzgl. Gründung beraten lassen erfreulicherweise ansteigt (43%), jedoch nur 30% den Schritt letztendlich auch wagen. 

  Sonderauswertung DIHK-Gründerreport 2014 (204,5 KiB, 156 hits)

Nun kann man von Verbänden wie IHK etc. und deren Statistiken halten was man möchte. Der Umstand, dass deutlich weniger Frauen den Weg in die Selbständigkeit gehen als Männer lässt sich nicht leugnen. Und dies hat Gründe.

Dass Frauen dies nicht wollen oder weniger wollen, ist eine Grund, welcher jedoch so pauschal nicht stehen gelassen werden sollte. Grundsätzlich gilt es, dass man der Typ dafür sein muss, um UnternehmerIn zu sein. Das lässt sich ein Stück weit aus Erfahrungen lernen, ein Stück weit ist es aber sicherlich auch eine Typfrage.

Die Frage warum wollen denn Frauen nicht gründen sollte viel mehr gestellt werden, als es nur einfach mit “die wollen ja nicht” abzutun. Nun bin ich keine Frau und kann daher nicht aus dieser Perspektive berichten, aber Themen wie Schwangerschaft und Mutterschaft sind sicherlich Aspekte, die einen nicht unerheblichen Anteil daran haben. Denn Selbständigkeit bedeutet auch Risiko, in erster Linie finanzielles. Natürlich gehen dies beide Geschlechter gleichermassen ein. Dennoch wiegt es für Frauen evtl. schwerer, da ihnen das Risiko höher erscheint als Männern und sie deswegen eine im Vergleich als sicherer geltende feste Angestelltenposition vorziehen.

Es ist meiner Meinung nach jedoch kein Problem von Mann und Frau sondern es ist ein grundsätzliches Thema, wie wir in der Gesellschaft miteinander umgehen. Wie betrachten wir Mütter und Väter im Gesellschaftsbild? Ist dies gern gesehen? Sind Eltern willkommen oder werden sie hier und da eher als Last empfunden? Wie sieht man UnternehmerInnen gesellschaftlich? Solange der Erfolg da ist, ist sicherlich auch das gesellschaftliche Ansehen ein angenehmes (wenngleich hier auch Neid ins Spiel kommt, dies ist aber ein Thema für sich). Was aber, wenn man scheitert? Ist scheitern etwas, was man hierzulande als gesellschaftlich anerkannt betrachtet oder eher etwas, wo die Leute die Nase rümpfen und lieber einen Bogen um die Gescheiterten machen? Dies sind wenige Fragen, deren Antworten aus meiner Sicht jedoch Anteil an der Entscheidung für oder gegen eine Unternehmensgründung tragen.

Es ist ein Thema, dass nur die Gesellschaft als Ganze lösen kann, jede_r für sich und alle für- und miteinander. Nicht sagen, “nun hab Dich nicht so, geh das Risiko halt nein, Männer können das doch auch”, sondern fragen “Was kann man tun, um Risiken zu senken, die ersten Schritte zu erleichtern, Ideen und den Mut zu fördern?”. Es gibt sie, die Beispiele, wie Frauen diesen Weg erfolgreich gehen, auch als Mutter. Bereits vor längerem schrieb ich, dass eine Schwangerschaft bzw. das Mutter sein von Arbeitgebern mehr als Vorteil denn als Last gesehen werden sollte. Diese Punkte spielen sicherlich auch für die Führung des eigenen Unternehmens eine positive und wichtige Rolle. 

Diese Beispiele bedeuten aber nicht, dass es keine Hürden und Probleme gibt. Dabei geht es so gar nicht darum, Frauen zu bevorzugen und Männer zu benachteiligen. Es geht darum, allen die gleichen Chancen zu ermöglichen. Wie wir mit Rampen und Fahrstühlen RollstuhlfahrerInnen und Eltern mit Kinderwagen den Weg im Alltag erleichtern, genauso können wir die Wege in die Selbständigkeit oder auch ins Arbeitsleben allgemein erleichtern, verbessern, optimieren. Nicht A gegen B sondern A und B miteinander. Bedürfnisse ergründen, Möglichkeiten schaffen und Chancen fördern. Für alle Mitglieder der Gesellschaft!


 


Teile den Artikel in Deinen Netzwerken:
Twitter Facebook Google+ XING Flattr
geschrieben von Steve Rückwardt
Ich bin Steve, Gründer und "Hausmeister" von lex-blog.de. Mit dem Blog möchte ich AnwenderInnen bei ihrer Arbeit mit den Produkten weiterhelfen. Neben dem Blog bin ich auch viel in Foren und sozialen Netzwerken unterwegs. mehr über mich


Dieses Blog unterstützen

Wunschzettel oder weitere Infos über diesen Link

Flattr this

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte beachte die hier geltenden > Kommentarregeln <. Synonyme oder Fantasienamen sind nicht erwünscht. Kommentare, welche nicht den Kommentarregeln entsprechen werden nicht freigegeben. Es ist mindestens der Vorname anzugeben. Ich möchte Euch als Leser gern direkt ansprechen können. :) Vielen Dank!

>>>>> Für Supportfragen bitte das > Forum < nutzen.<<<<<

Back to top
banner