Die Möglichkeit, seine privaten wie auch beruflichen Geldgeschäfte bequem von zu Hause bzw. aus dem Büro zu steuern, ist sicherlich eine der gängigsten und am meist verbreiteten Internetanwendungen. Gemeint ist das Online Banking. Statistik Anteil Nutzer Online Banking in Deutschland bis 2013 Nahezu jede Bank ermöglicht es, auf das eigene Konto über deren Webseite zuzugreifen und den Kontostand einzusehen oder Überweisungen zu tätigen. Zusätzlich gibt es diverse Softwareprogramme, welche die Bankfunktionen nutzbar machen. Ein Grossteil der Banken nutzt als Standard für den Zugriff HBCI. Aber eben leider nicht alle Banken. Einige Kreditinstitute sind leider ausschliesslich über die Webseite nutzbar. Manche Softwareprodukte bieten über sogenanntes Screen Scraping auch die Möglichkeit, solche Konten im Bankingprogramm zu nutzen. Eines dieser Programme ist Quicken von Lexware. Aber auch Programme anderer Hersteller wie z.B. StarMoney bieten Webbankingzugriff an.

Immer wieder Ärger beim Webbanking

Da ich recht viel in Foren unterwegs bin, lese ich immer wieder über Probleme und Schwierigkeiten bei der Nutzung von Webbanking über Onlinebanking Software. Durch kleinere Anpassungen an der Webseite der Bank kann der Zugriff über die Software recht schnell lahm gelegt werden, da die Screen Scraping Komponenten ggfs. angepasst werden müssen. Dies braucht natürlich Zeit und auch müssen die Softwarehersteller über entsprechende Änderungen rechtzeitig informiert werden. Nutzer stehen so durchaus ein paar Tage ohne den Zugriff auf ihre Konten da bzw. müssen direkt über die Webseite gehen. Nicht selten wird der Ausfall auf den Softwarehersteller geschoben. Diesen sehe ich jedoch eher selten in der Rolle des Schuldigen.

Warum eigentlich nur Webbanking?

Seit ich zum ersten Mal mit dieser Problematik konfrontiert war fragte ich mich, warum denn eigentlich nur Webbanking? Warum nutzt man seitens dem Kreditinstitut nicht HBCI? Da dieses Thema immer wieder in Foren auftaucht, Grund genug, entsprechenden Banken ein paar Fragen zu stellen. Recht häufig in den Forenthemen waren die DAB Bank, die Volkswagen Bank direct (incl. Audi Bank) sowie die Targobank zu finden. Auch immer wieder mal dabei die DKB, welche zwar Banking via HBCI anbietet, den Zugriff auf die Kreditkartenkonten jedoch nur via Webbanking ermöglicht. Allen genannten Banken (bei DKB bezogen auf Kreditkartenbanking) stellte ich folgende Fragen:

  1. Warum bietet Ihr Bankhaus keinen Zugriff via HBCI an, wie es bei dem Grossteil der deutschen Banken der Fall ist?
  2. Ist für die mittel- oder langfristige Planung eine Änderung auf HBCI angedacht?
  3. Warum erfolgen die häufigen Änderungen an der Webseite, so dass immer wieder Nutzungsausfälle für die Kunden auftreten?
  4. Spricht aus Sicht Ihres Kreditinstitutes grundsätzlich etwas gegen die Nutzung von Banking Programmen durch Ihre Kunden?
  5. Wie stark wird die von mir angesprochene Thematik in Ihrem Hause wahrgenommen und gibt es bereits Planungen, wie man dies zukünftig minimieren bzw. gänzlich abstellen kann?

Antwort der DAB Bank

Für die DAB Bank antwortet Dr. Jürgen Eikenbusch. Frage 1 & 2 (sowie 5):

Wie setzen auf eine eigene Finanzplanungssoftware, den „Personal Financial Planner“, der noch im ersten Halbjahr 2014 eingeführt werden soll. Gleichzeit haben wir aber auch die Einführung einer HBCI-Schnittstelle auf der Agenda – mit Umsetzung voraussichtlich 2015.

Frage 3:

Im letzten Jahr gab es aufgrund unseres kompletten Website-Relaunches im Sommer und der umfangreichen, durch SEPA bedingten Änderungen im Herbst und im Winter in der Tat einige Änderungen. Darüber hinaus ist unsere Release-Politik bewusst darauf ausgerichtet, Neuerungen nicht in Form von wenigen großen Releases im Jahr, sondern in Form von mehreren kleineren Releases pro Jahr umzusetzen. Dies bringt für unsere Kunden weitreichende Vorteile und macht es uns möglich, neue Produkte und Services besonders agil und schnell umsetzen zu können. Bankingprogramme, die via ScreenScraping auf unserer Webseite aufsetzen, müssen im Falle von neuen Releases unserer Website tatsächlich auch selbst Anpassungen vornehmen. Wir sind uns dieser Problematik bewusst und bieten daher an, dass Hersteller solcher Banking-Programme mit uns Kontakt aufnehmen, frühzeitig Zugang zu einer Testumgebung erhalten und dadurch ausreichend Zeit bekommen, notwendige Anpassungen ihrer eigenen Software vorzunehmen.

Frage 4:

Nein.

Antwort Volkswagen Financial Services

Für die Volkswagen Financial Services antwortet Stefan Voges-Staude. Leider erfolgte keine Antwort auf die spezifischen Fragen sondern lediglich nachstehendes Statement.

Als wir vor Jahren über die Einführung einer HBCI-Schnittstelle für unsere Konten nachgedacht haben, war die Nachfrage der Kunden nach so einem Zugangsverfahren sehr gering. Die Kosten für die technischen Aufwände standen in keinem sinnvollen Verhältnis.   Software zur privaten Finanzverwaltung hat sich seither stark verbreitet. Es ist deshalb an der Zeit, die Entscheidung von damals zu überdenken.   Wir nehmen daher u.a. Ihre Anfrage zum Anlass, eine neue Kosten-Nutzen-Bewertung einer HBCI-Schnittstelle zu starten.

Antwort Targobank

Für die Targobank antwortet Tanja Plebuch, auch hier leider nicht explizit auf die Fragestellungen.

Wir unterstützen die Nutzung von externen Bank Softwares grundsätzlich aus Sicherheitsgründen nicht „aktiv“, wenn der Kunde dort zur Eingabe seiner Online-Banking Zugangsdaten über Dritte aufgefordert wird, um Daten mit unserem Homebanking System auszutauschen. Dies würde gegen unsere AGBs verstoßen. Eine alternative HBCI Schnittstelle bieten wir nicht an. Nutzt der Kunde dennoch diese Softwares, können und werden wir dies nicht unterbinden, aber bzgl. Support muss der Kunde sich an den Anbieter der Software wenden.   Das Thema Sicherheit ist für uns natürlich ein wichtiger Aspekt, so dass wir uns ständig mit den gängigen Sicherheitsverfahren auseinandersetzen. Ob HBCI bei uns in Zukunft eine Rolle spielen wird, können wir heute nicht sagen.

Zum Thema der Änderungen am Webauftritt, welcher zu den “Ausfällen” bei den Softwareprogrammen führt:

Ihre Behauptung zu angeblich ständigen Änderungen an unserer Webseite ist so nicht korrekt:  Im März haben wir ein neues Online-Banking gelauncht […], mit neuer personalisierter und intuitiver Navigation. Mit der damit einhergehenden neuen Login Seite, haben wir die erste Änderung seit dem Launch von Targobank in 2010 gehabt. Das personalisierte Online-Banking hat viele Vorteile für unsere Nutzer.  Unsere Online-Banking Kunden haben wir frühzeitig über alle Neuerungen informiert. Sicherlich haben Sie Verständnis, dass wir uns bei der Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Webseite auch in Zukunft nicht einschränken werden.

Weiter zur Information über etwaige Änderungen am Webauftritt:

Die Schwierigkeiten unserer Kunden in Bezug auf die Nutzung der Banking-Softwares nehmen wir natürlich wahr. Wir können Ihnen bzgl. der Thematik mit einem Ansprechpartner bei Lexware einen unverbindlichen Austausch anbieten, um über bevorstehende Neuerungen zu informieren und die Abläufe zu optimieren (Das machen wir z.T. mit auch mit anderen Anbietern). Die Kollegen aus unserer Fachabteilung hatten bei Lexware in der Vergangenheit auch schon mal einen Ansprechpartner angefragt, aber leider nie eine Antwort bekommen. Aber wie gesagt: Unsere AGBs schließen die Nutzung von Offline-Banking aus. Es wäre mehr ein informelles Entgegenkommen, damit Kunden den Service trotzdem (auf eigene Verantwortung!) nutzen können.

Die Thematik hinsichtlich Austausch mit Lexware habe ich nach Freiburg weitergeleitet. An soetwas sollte es ja nun nicht scheitern. :) Was mich jedoch noch mehr verwunderte, war die Tatsache, dass Zugriff über Bankingsoftware gemäss AGB nicht erwünscht ist. In der von mir am 29.04.2014 heruntergeladenen Version der Targobank AGB, findet sich unter Punkt 1.4 Bedingungen für die Teilnahme am Online-Banking (Stand 01.01.2014) im Unterpunkt 7.1 der Hinweis

7.1 Technische Verbindung zum Online-Banking Der Teilnehmer ist verpflichtet, die technische Verbindung zum Online-Banking nur über die von der Bank gesondert mitgeteilten Online-Banking-Zugangskanäle (zum Beispiel Internetadresse) herzustellen.

Ich habe hierzu bei der Targobank nachgefragt: Warum erlauben Sie dies nicht in Ihren AGB und bedeutet dies im Umkehrschluss, dass der Grossteil der deutschen Banken hier fahrlässig handelt, indem sie z.B. über HBCI den Zugriff auf die Konten für ihre Kunden ermöglichen? Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass die Frage etwas unglücklich bzw. falsch formuliert ist, da sich die AGB Formulierung nicht explizit gegen HBCI wendet, da selbige Möglichkeit bei der Targobank aktuell ja überhaupt noch nicht besteht. Bisher liegt mir hierzu auch noch keine Rückmeldung vor. Sobald ich hierzu eine Antwort habe, ergänze ich diese im Artikel entsprechend.

Antwort der DKB

Trotz Nachfrage/Erinnerung hat sich die DKB zu den Fragen zum angebotenen Kreditkartenbanking bisher nicht geäussert. Schade, hätte mich besonders hier die Antwort interessiert, da man für das “normale” Banking ja bereits auf HBCI setzt. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt doch noch eine Antwort erfolgen, ergänze ich es entsprechend im Artikel. Antworten kamen am 08.05.2014 von Volker Binnenböse wie nachstehend. Frage 1:

Dies ist aus technischen Gründen nicht möglich.

Frage 2:

Es gibt hierfür keine konkreten Planungen.

Frage 3:

Es gab keine Nutzungsausfälle des Online-Bankings für Kunden. Für die Funktion der vielen verschiedenen Software-Lösungen am Markt sind die jeweiligen Anbieter verantwortlich. Darauf haben wir keinen Einfluss. Für notwendige Änderungen am Online-Banking gibt es verschiedene Gründe. So war im vergangenen Jahr beispielsweise aufgrund der SEPA-Bestimmungen eine Anpassung im Online-Banking notwendig. Darüber hinaus wurden Änderungen aufgrund von Funktionserweiterungen vorgenommen. Grundsätzlich gilt: Wir sind bestrebt möglichst selten Änderungen am Online-Banking vorzunehmen. Um den gesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen und um unseren Kunden ein modernes Banking mit neuen und regelmäßig optimierten Features zu bieten, sind Änderungen aber unumgänglich.

Frage 4:

Nein.

Frage 5:

Wir sehen hier in erster Linie die Software-Anbieter in der Pflicht, zeitnah auf die notwendigen Änderungen zu reagieren.

Fazit

Bei der DAB Bank gibt es konkrete Pläne zur Einführung eines Zugriffes über eine HBCI-Schnittstelle. Bei der Volkswagen Finanzgruppe denkt man zumindest darüber nach. Eine abschliessende Antwort, warum man überhaupt HBCI bisher ausgeschlossen hat bzw. auch weiterhin ausschliesst habe ich leider nicht herauslesen können. Bei Volkswagen verweist man zwar auf die Kosten von “damals”, aber so neu ist HBCI nun auch wieder nicht. HBCI ist ein recht verbreiteter Standard und wird vom Grossteil der hierzulande agierenden Kreditinstitute eingesetzt. Evtl. sind es aber doch die Kosten, welche so manches Geldhaus vor dem Einsatz zurückschrecken lassen. Ob es tatsächlich so kostspielig ist, mag ich nicht zu beurteilen. Evtl. überschätze ich die Thematik auch, und nur ein sehr kleiner Bruchteil der Bankkunden setzen auf den Einsatz einer externen Softwarelösung!? Vielleicht unterschätzen aber auch manche Banken diese Thematik zu sehr? Bis vor 2 Jahren hatte ich privat z.B. auch noch ein Konto bei der VW Bank direct. Einer der Gründe für dessen Kündigung war die Webbanking-Problematik. Die Ursache für entsprechende Ausfälle des Zugriffs auf die Konten, welche nur via Webbanking angesprochen werden können, liegt mit Sicherheit bei den entsprechenden Banken. Mit dem Thema müssen sich alle Softwareanbieter herumschlagen. Die Frage, wie schnell die Änderungen seitens dem Softwarehersteller umgesetzt werden können, ist natürlich ein weiterer Aspekt, welcher Auswirkung auf die Dauer des “Ausfalles” hat. Hier hat Lexware in der Vergangenheit gezeigt, dass man noch Optimierungspotential hat, da der für die Änderungen zuständige Dienstleister FUN nicht ganz so zügig agierte, wie gewünscht. [Update 22.10.2015] Lexware hat den Dienstleister für die notwendigen Anpassungen am Webbankingclient zwischenzeitlich gewechselt. Aktuell erfolgen Änderungen wieder recht zeitnah.

Wie ich aber auch bereits in verschiedenen Forenbeiträgen schrieb, so hat es auch der Kunde selbst in der Hand. An Banken mangelt es hierzulande nicht. Bei vielen wird mit HBCI gearbeitet und die Problematik tritt dort nicht auf. Sprecht Eure Bank auf das Thema an, ändert sich nichts, wechselt doch einfach. Ich weiss, man scheut sich davor, da es ja Aufwand und Umstellung bedeutet. Aber es ist – dies kann ich aus eigener Erfahrung sagen – wesentlich unkomplizierter, als man gemein hin denkt.

Bildquelle: statista




Teile den Artikel in Deinen Netzwerken:
Twitter Facebook Google+ XING Flattr
veröffentlicht unter , , ,
geschrieben von Steve Rückwardt
Ich bin Steve, Gründer und "Hausmeister" von lex-blog.de. Mit dem Blog möchte ich AnwenderInnen bei ihrer Arbeit mit den Produkten weiterhelfen. Neben dem Blog bin ich auch viel in Foren und sozialen Netzwerken unterwegs. mehr über mich


Dieses Blog unterstützen

Wunschzettel oder weitere Infos über diesen Link

Flattr this

Kommentare 2


  • Interessanter Bericht, leider hat sich bei der DAB bis heute nichts getan HBCI scheint noch nicht umgesetzt worden zu sein

    Antworten

  • Wenn denn das Online Banking der Targobank gut wäre, dann könnte man damit leben, aber das erlaubt nur das speichern von 20 Vorlagen, die Eingabe muss mühsam ausgewählt werden, Eingaben gehen verloren, wenn man zwischen den Seiten wechselt. Das mit Abstand schlechteste Online Banking, das ich je benutzt haben. Feedback an die Bank wird einfach abgewiegelt.

    Antworten

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte beachte die hier geltenden > Kommentarregeln <. Synonyme oder Fantasienamen sind nicht erwünscht. Kommentare, welche nicht den Kommentarregeln entsprechen werden nicht freigegeben. Es ist mindestens der Vorname anzugeben. Ich möchte Euch als Leser gern direkt ansprechen können. :) Vielen Dank!

>>>>> Für Supportfragen bitte das > Forum < nutzen.<<<<<

Back to top
banner