Braucht ein Unternehmen ein eigenes Blog? Eine Frage, welche ich in meinem beruflichen Alltag nicht so häufig gestellt bekomme. Verwunderlich ist dies für mich jedoch nicht. Mein Kundenclientel sind vorwiegend kleine und mittelständige Unternehmen, welche sich mit dieser Fragestellung bisher nicht wirklich beschäftigt haben. Oftmals haben diese Unternehmen noch nicht einmal eine eigene Webseite.

Die von mir sehr geschätzte Christine Heller (@punktefrau), Ihres Zeichens zuständig für PR und Social Media bei der result GmbH in Köln, hat mich gestern via Twitter auf eine Blogparade zum Thema Corporate Blogs aufmerksam gemacht. Der Titel lautet “Das kleine ABC für Corporate Blogs“.

Aber was ist das überhaupt, ein Corporate Blog? Und was ist eigentlich ein Blog?



Bei Wikipedia wird der Begriff Blog einleitend wie folgt beschrieben:

Das Blog [blɔg] oder auch Web-Log [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt.

(Quelle: Wikipedia)

Der Grossteil der weltweit existierenden Blogs sind privat, also beschäftigen sich mit und berichten aus dem Leben des jeweiligen Autors (Bloggers) über dessen private Gedanken, Erlebnisse, Meinung etc. Seit ein paar Jahren entdecken aber auch immer mehr Unternehmen das Medium Blog für sich. Blogs von Unternehmen bezeichnet man auch als Corporate Blog.

Das Wort Corporate kommt aus dem Englischen und steht für unternehmerisch, Unternehmen, Firma. Man findet diese Bezeichnung z.B. auch bei Corporate Identity (CI) oder Corporate Design (CD). Wikipedia beschreibt Corporate Blogs wie folgt:

Unter einem Corporate Blog bzw. Unternehmensblog versteht man das (oder den) Weblog eines Unternehmens. […] Corporate Blogs treten in unterschiedlichen Formen auf und können unterschiedliche Funktion haben. Charakteristisch für Corporate Blogs ist, dass sie dazu dienen, Kommunikations- oder Marketingziele des Unternehmens zu verfolgen. Sie werden in der Regel von Mitarbeitern eines Unternehmens geführt.

(Quelle: Wikipedia)

Recht leicht verständlich erklärt wird das Thema Blog in nachstehendem Video. Es ist zwar schon etwas älter, jedoch ist das Grundprinzip darin sehr anschaulich erläutert:

Brauche ich für mein Unternehmen ein eigenes Blog?

Grundlegend bin ich der Ansicht, dass jedes (!) Unternehmen eine Webseite benötigt. Die Unternehmensgrösse spielt hierbei aus meiner Sicht keine Rolle. Ob nun auch jedes Unternehmen ein eigenes Blog benötigt? Sicherlich nicht zwingend. Ein Corporate Blog stellt jedoch eine gute Möglichkeit dar, die Themen des Unternehmens und auch der Mitarbeiter zu kommunizieren.

Während eine Webseite in der Regel statisch und recht unpersönlich ist und meist mehr Auskunft über Angebotsportfolio, Philosophie und Anschrift der Firma gibt, lässt sich das Unternehmen mit Hilfe eines Blogs meiner Meinung nach individueller und damit auch menschlicher darstellen.

Dabei geht es nicht darum, nach aussen irgendetwas abzubilden, was nicht den Tatsachen entspricht. Vielmehr kann durch regelmässige Artikel und (sofern realisierbar) die Sichtweisen der  verschiedenen Mitarbeiter ein realeres Abbild der Firma geschaffen werden. Das Unternehmen wird somit für potentielle Kunden, Lieferanten aber auch zukünftige Mitarbeiter plastischer, lebendiger – eben einfach persönlicher.

Das alles beschränkt sich natürlich nicht nur auf grosse Unternehmen sondern gilt ebenso für kleinere Firmen. Ich neige sogar dazu zu behaupten, dass kleine Unternehmen hierbei oftmals noch bessere Chancen haben, sich über ein Blog vom Wettbewerb abzugrenzen.

Keine Ahnung, wie bzw. über was ich da schreiben soll.

Natürlich ist nicht jeder ein geborerer Hemmingway. Aber darum geht es auch gar nicht. Es sollen keine Romane entstehen oder irgendwelche poetischen Texte (wenn man das kann, ist es aber auch eine von vielen Möglichkeiten, seine Themen zu kommunizieren). Vielmehr geht es darum, sein Unternehmen und dessen Themen nach aussen hin darzustellen.

Auch wenn in der Wikipediadefinition, welche ich oben zitiert habe, zu lesen ist, dass es bei Corporate Blogs um das Verfolgen von Kommunikations- und Marketingzielen geht, so halte ich persönlich das platte Niederschreiben von PR- und Marketingtexten in einem Blog für deplaziert. Zudem ist es meiner Ansicht nach auch wenig zielführend. Für mein Verständnis ist der Marketingaspekt nur ein Puzzleteil von vielen.

Über was nun also schreiben? Man kann zum Beispiel die Entstehung eines der eigenen Produkte beschreiben. Auch Hintergründe über den Arbeitsalltag in verschiedenen Abteilungen aus Sicht der jeweiligen Mitarbeiter ist ein Thema. Je nach Grösse des Unternehmens bietet sich hierbei auch ausreichend  Stoff für eine Artikelserie. Ebenso ist es z.B. möglich, über zukünftige Produkte, geplante Projekte oder einfach allgemein über Ideen des Unternehmens zu schreiben. Somit kann man seine Kunden in die Entwicklung des Unternehmens mit einbeziehen und darüber noch besser an sich binden.

Ideen für Artikel finden sich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase meist mehr, als man letztlich niederschreiben kann. Sehr wenige Sachen sind so abwegig, dass man sie nicht in einem Artikel thematisieren könnte bzw. sollte. Dabei muss das Thema auch nicht zwingend direkt mit dem eigenen Unternehmen zusammenhängen.

Das Ziel sollte nicht der (alleinige) Fokus sein!

Ja ja, gewagte Aussage und eigentlich vollkommener Quatsch. Wirklich? Was ich damit meine ist, dass beim Schreiben der jeweiligen Artikel nicht der Gedanke im Vordergrund stehen sollte, wie ich über diesen Text nun möglichst gut und optimal meine Marketingbotschaft an den Leser bringe. Am allerwichtigsten ist – nach meinem Verständnis – Authentizität. Wenn man versucht, durch die Artikel plump Marketing zu betreiben wird dies nicht lange dauern und die Leser merken es. Kein Kunde möchte heutezutage noch mit Werbebotschaften “beschallt” werden.

Wenn man die Artikel des jeweiligen Themas wegen schreibt und weil man eben genau dies dem Leser rüberbringen möchte, so gewinnt man wesentlich mehr. Nicht jeder Leser wird zum Kunde. Nicht jeder Artikel wird zu einem Auftrag führen. Betreibt man jedoch sein Blog (und auch die Unternehmenskommunikation allgemein) offen, authnetisch – ja menschlich eben, so erlangt man darüber deutlich mehr Sympathien. Auch wenn ein Leser mit den eigenen Produkten bzw. der eigenen Dienstleistung vielleicht selbst nichts anfangen kann, so kann er dennoch das Unternehmen weiter empfehlen.

Glauben Sie nicht? Dann überlegen Sie mal, was Ihnen in Ihrem persönlichen Umfeld lieber ist. Jemand der Ihnen etwas vormacht, nur um seine eigenen Interessen zu verfolgen oder jemand, der offen und ehrlich mit Ihnen kommuniziert? Mit einer offenen Kommunikation und der Bereitschaft zum Dialog schaffen Sie zudem auch Transparenz. Ein – für mich – weiterer wichtiger Aspekt

Im Dialog mit dem Leser – kein Grund für Angst

Eigene Texte zu schreiben und dadurch seine Sicht des Unternehmens darzustellen ist natürlich schon einmal eine feine Sache. Einer der für mich jedoch spannendsten Punkte ist die Möglichkeit, direkt mit dem Leser in Dialog zu treten. Blogs bieten in der Regel die Möglichkeit, dass man die einzelenen Artikel kommentieren kann. So können Leser direkt Feedback zum Geschriebenen geben.

Dies ist für viele Unternehmer teilweise auch ein Grund, ein Blog nicht zu starten. Man hat Angst, dass es evtl. negative Reaktionen der Leser/Kunden gibt. Ausschliessen kann man das natürlich nicht. Aber man kann die innere Einstellung hierzu verändern. Wenn man dieses Feedback – auch wenn es negativ sein mag – weniger als Angriff und mehr als Chance begreifft, eröffnen sich ganz neue Optionen. Sucht man mit seinen Kritikern den Dialog bzw. bietet selbigen eben z.B. über ein Blog an, so kann man für das Unternehmen vielerlei gewinnen und an dieser Kritik wachsen sowie die angesprochenen Punkte verbessern.

Facebook-Page und/oder Google+ Page statt Corporate Blog?

Neben den Blogs haben sich in den letzten Jahren natürlich auch noch andere Dinge entwickelt. So ist Facebook sicherlich eine Plattform, an der man nur schwer vorbei kommt, wenn es um das Thema Social Media geht. Dies gilt ebenso für ein Unternehmensengagement in diesem Bereich. Aber auch Google+ ist nicht uninteressant.

Aber ersetzen diese Plattformen ein eigenes Blog? Ich finde: Nein! Warum nicht? 11 sehr treffende Gründe, warum Google+ und Facebook keine Alternative zum Corporate Blog sind, hat Daniela Warndorf beschrieben. Der meiner Meinung nach wichtigste ist ihr Punkt 3: wenn Sie Ihre Unternehmenskommunikation über Facebook, Google+ oder einen anderweitigen Anbieter aufbauen, begeben Sie sich in dessen Abhängigkeit. Sie müssen sich nach dessen Spielregeln richten und von heute auf morgen kann Ihre Seite oder gar die ganze Plattform abgeschaltet werden. Ärgerlich, wenn man in den Aufbau dieser Präsenz viel Zeit und Leidenschaft investiert hat.

Ihr Corporate Blog kontrollieren Sie. Sie bestimmen die Regeln und auch Sie bestimmen, wann und ob es irgendwann einmal abgeschalten wird. Es gibt auf dem Markt auch diverse Anbieter von Blog-Plattformen, bei denen sich mit wenigen Klicks ein Blog einrichten lässt. Dies mag für privates Gelegenheitsbloggen ausreichend sein – für ein Corporate Blog rate ich davon ab.

Im Bereich der Blog-Software hat sich WordPress weltweit etabliert und ist auch recht leich verständlich in der Handhabung. Mieten Sie sich bei einem Webhosting-Anbieter ein entsprechendes Paket (oder je nach Unternehmensgrösse gleich einen ganzen Server) welches die Nutzung von WordPress (oder auch einer alternativen Softwarelösung) unterstützt und starten Sie mit Ihrem eigenen “zu Hause” für die Unternehmenskommunikation.

Fazit

Ein Corporate Blog ist kein Muss für ein Unternehmen. Man erhält damit jedoch eine gute Möglichkeit, sein Unternehmen zu präsentieren. Über Kommentare kann man mit seinen Lesern direkt in den Dialog gehen, Ansichten austauschen und neue Inspirationen/Ideen erhalten.

Durch Beteiligung der eigenen Mitarbeiter am Corporate Blog erreicht man neben dem Aspekt, dass das Unternehmen nach aussen hin ein (oder mehere) Gesicht(er) erhält, auch noch eine bessere Bindung der Mitarbeiter, da diese sich dem Unternehmen so mehr zugehörig und in die Unternehmenskommunikation eingebunden fühlen.

Ein Corporate Blog ist aus meiner Sicht keinesweg nur etwas für die grossen Unternehmen sondern hat auch und gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen seine Chancen.

So ein Corporate Blog kostet natürlich Geld, Zeit und Aufwand. Die Chancen überwiegen meiner Ansicht nach jedoch deutlich. Ist man sich selbst doch noch etwas unsicher, so hilft vielleicht eine Beratung von externer Seite hinsichtlich der unternehmensspezifischen Möglichkeiten. Aber auch der unternehmensinterne Austausch kann hier oftmals hilfreich sein. Evtl. bloggt bereits einer der Mitarbeiter privat und kann somit seine Erfahrungen einfliessen lassen.



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geschrieben von Steve Rückwardt
Ich bin Steve, Gründer und "Hausmeister" von lex-blog.de. Mit dem Blog möchte ich AnwenderInnen bei ihrer Arbeit mit den Produkten weiterhelfen. Neben dem Blog bin ich auch viel in Foren und sozialen Netzwerken unterwegs. mehr über mich


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