Nachdem ich in Teil 1 dieses Artikels auf die eher allgemeine Sachlage bzgl. Kontenmodell für Selbständige und Freiberufler eingegangen bin, geht es in Teil 2 um die Thematik der Gebühren für Geschäftskonten und den Bereich der Kontokorrent- bzw. Überziehungskredite.

Bankenvielfalt / Finanzen

Geschäftskonto und die Gebühren

Geschäftskonto oder Privatkonto ist ja eigentlich auch gar nicht so wichtig, wäre da nicht – ja, wäre da nicht der kleine aber nicht ganz irrelevante Unterschied bzgl. der Kosten. Während für Privatkunden Girokonten in der Regel sowohl bzgl. monatlicher Kontoführungskosten wie auch bzgl. Gebühren für Buchungsposten kostenfrei sind, ist bei Geschäftskonten das Gegenteil der Fall. Aber warum ist dies so?

Auch hier waren die Antworten der Banken recht gleichlautend. Die geschäftliche Nutzung unterscheide sich erheblich von der eines Privatkunden. Aus diesem Grund sind die Konditionen für Geschäftskonten anders zu kalkulieren, wodurch man diese Konten in der Regel nicht kostenfrei anbieten könne. Dies sehen Postbank und Hypovereinsbank so. Bei der Commerzbank führt man zusätzlich noch erhöhten Beratungsaufwand bei Geschäftskunden an. 

Sowohl der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken wie auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband verweisen auf eine andere Nutzung der Kontenkategorie für Geschäftskunden, führen aber nahezu gleichlautend an, dass es sogar sein könne, dass die Konten im Einzelfall günstiger seien, als die eines Privatkunden. Dies hänge von der tatsächlichen Nutzung ab. Im Umkehrschluss bedeutet dies für mich, die Privatkundenkonten bei den angeschlossenen Kreditinstituten der beiden Verbände sind offenbar überwiegend kostenpflichtig.

Auch bei der GLS Bank sind die Privatkonten gebührenpflichtig. Die monatliche Grundbetrag bei den Geschäftskonten ist minimal höher. Man berechne hier zusätzlich auch die Buchungen. Bei der Ethikbank fällt laut der Auskunft kein monatlicher Grundbetrag an, was dort z.B. beim angebotenen Privatkonto der Fall ist. Man berechnet aber auch hier die anfallenden Buchungsposten, wobei man im ersten Jahr mtl. Freiposten gewähre.

Einzig die DAB Bank bietet das Girokonto ohne Kontoführungs- oder Buchungspostengebühr sowohl Privatkunden wie auch Selbständigen an. Lediglich im Zinsatz für Kontokorrent- also Überziehungskredite unterscheide man zwischen privater und geschäftlicher Nutzung. Dies ist in der Regel meiner Erfahrung nach aber auch bei anderen Instituten der Fall. Dazu aber später mehr.

Hier heisst es also bei der Wahl der eigenen Bank genau zu prüfen und zu vergleichen. Ich kenne Banken, die neben einer mtl. Grundgebühr zusätzlich um die 50 bis 60 Cent je Buchungsposten abrechnen. Und dies nicht etwa wenn man am Schalter agiert, nein auch bei eingehenden Überweisungen oder selbst durchgeführten, ausgehenden Online-Überweisungen wird dieser Betrag berechnet. In Zeiten, in denen der Grossteil der Transaktionen elektronisch selbst vom Kunden durchgeführt wird, finde ich solche Preise ziemlich überzogen.


 


 

Kontokorrentkredit für Selbständige / Freiberufler

Kommen wir zu einem anderen, wichtigen Thema: dem Kontokorrent bzw. Überziehungskredit. Wie auch im verlinkten Spiegel Online Artikel aus Teil 1 berichtet, so ist es für einen Selbständigen oder einen Freiberufler in vielen Fällen nicht immer einfach, einen Überziehungskredit für das Girokonto zu bekommen. Selbst wenn die betriebswirtschaftlichen Zahlen gute Werte liefern, machen es einem die Banken nicht immer leicht. Ich habe hier selbst schon recht skurrile Erlebnisse machen müssen.

Ich fragte bei den Banken an, ob die Konditionen für Kontorrentkredite einheitlich sind und wonach sich selbige bemessen, sollten sie nicht einheitlich sein. Auch hier – wenig verwunderlich – war der Tenor recht gleichlautend. Während der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken diese Frage unbeantwortet lies, verwies man seitens Deutscher Sparkassen- und Giroverband auf die angeschlossenen Geldinstitute, da diese die Konditionen jeweils selbst festlegen. Der Zinssatz bestimme sich jedoch jeweils an der Bonität des Kunden.

Auch bei der HypoVereinsbank werden die Konditionen individuell kalkuliert, abhängig von Risiko und Inanspruchnahme. Den Zinssatz für einen Überziehungskredit berechnet man auch bei Postbank und Commerzbank bonitätsabhängig. 

Die Ethikbank vergibt einen einheitlichen Sollzinssatz. Bei der DAB Bank wird der Zinssatz auf dem einheitlichen Girokonto lediglich zwischen Privatkunde und Selbständiger/Freiberufler unterschieden, was man mit einem höheren Risiko bei letzteren begründet. Auch die GLS Bank vergibt die Sollzinsen bei Freiberuflern bzw. Selbständigen einheitlich.

Da meine ursprüngliche Recherche in eine andere Richtung ging, hatte ich nicht konkret nach Schwierigkeit der Vergabe gefragt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Institute, welche nach Bonitäts- und Risikofaktor die Zinssätze vergeben, sich auch grundsätzlich etwas schwerer bei der Zuteilung einer Kontorrentkreditlinie tun. Verständlich ist natürlich, dass Banken bei einer recht schlechten Bonität das Risiko scheuen bzw. für eben dieses höhere Risiko auch höhere Gebühren berechnen. Aber wie auch im Spiegel Online Artikel erwähnt, gibt es selbst bei augenscheinlich doch recht guter bis sehr guter Bonität bei dem ein oder anderen Institut Schwierigkeiten. Die Bemessung der Bonität z.B. anhand sogenannter Score-Werte bei Schufa und Co. ist nochmal ein ganz anderen Thema.

Daniel Bröckerhoff hat sich damit recht umfänglich für sein Projekt st_ry beschäftigt. Nachstehend findet Ihr ein Video zum Thema:

Weiterhin gibt es noch einiges mehr im st_ry Blog zu diesem Bereich nachzulesen.

Fazit

Bei der Suche nach einem geeigneten Partner für das geschäftliche Bankkonto heisst es, vorab gut die Konditionen und Bedingungen prüfen und vergleichen. Das eine Trennung von privaten und geschäftlichen Transaktionen zu empfehlen ist, hatte ich bereits dargelegt. Auch hatte ich erläutert, dass z.B. in Bezug auf Lastschrift oder Lieferantenanforderungen ein Geschäftskonto, welches auch seitens der Bank als solches deklariert wird, zu empfehlen ist.

Aber schaut hier wirklich genau hin, zu welchen Gebühren man ein solches Konto offeriert. Mehr als 10-15 Cent je beleglosem Buchungsposten halte ich persönlich für überzogen. Auch wenn sich bzgl. der Konditionen von den angefragten Geldinstituten die DAB Bank mit den besten Konditionen – nämlich einem kostenfreien Girokonto – hervorhebt, so muss dies nicht automatisch auch die beste Wahl für Euch sein. Denn die DAB Bank ist eine reine Online-Bank. Benötigt Ihr z.B. häufiger die Möglichkeit, Bargeld durch Kundenzahlungen auf Euer Konto einzahlen zu wollen, müsstet Ihr über eine andere Bank den Weg suchen, was doch recht kostspielig werden kann. GLS Bank und Ethikbank bieten zwar keine kostenfreien Geschäftskonten, punkten dafür aber mit mit anderen Dingen wie z.B. der einheitlichen Zinspolitik bei Kontorrentkrediten oder aber auch bei ethischen Fragen der Geldanlage.

Auch nicht ganz irrelevant: die DAB Bank unterstützt derzeit – als einzige der Banken die geantwortet haben – keinen Zugriff über HBCI. Heisst, man ermöglicht lediglich Banking über den Webzugriff. Manche Banking-Programme wie z.B. auch Quicken können dies zwar abbilden, was jedoch aufgrund regelmässiger Änderungen der Webseite durch die Banken, immer wieder zu Nutzungsausfällen führen kann.

Ein wirkliches richtig oder falsch gibt es – wie so oft im Leben – also auch bei der Wahl der Bank nicht. Ihr müsst für Euch individuell prüfen und vergleichen und dann am Ende die Wahl so treffen, wie es für Euch und Eure geschäftliche Nutzung am besten passt. Auch wenn man sich mit einem Wechsel der Bank eher immer etwas schwerer tut: die Beziehung zwischen Euch und Eurer Bank ist nie zementiert. Ihr seid unzufrieden, Eure Situation bzw. die Art der Nutzung hat sich geändert aber die Bank zeigt sich nicht so recht kooperativ? Dann sucht das Gespräch mit Eurem Ansprechpartner bei der Bank. Ändert sich dadurch nichts, wechselt das Institut. Es ist – dies kann ich aus eigener Erfahrung sagen – gar nicht sooo aufwendig und kompliziert, wie man vorab denkt.

Bei welcher Bank seid Ihr? Warum habt Ihr Euch gerade für dieses Institut entschieden? Seid Ihr zufrieden?



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geschrieben von Steve Rückwardt
Ich bin Steve, Gründer und "Hausmeister" von lex-blog.de. Mit dem Blog möchte ich AnwenderInnen bei ihrer Arbeit mit den Produkten weiterhelfen. Neben dem Blog bin ich auch viel in Foren und sozialen Netzwerken unterwegs. mehr über mich


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Kommentare 1


  • Zu Beginn meiner freiberuflichen Tätigkeit (neben dem Studium) habe ich zunächst mein normales Girokonto bei der Sparkasse genutzt. Habe hier sogar Rücksprache gehalten und der Berater meinte, das wäre bei dem geringen Aufwand schon okay.

    Als die freiberufliche Tätigkeit dann zum Vollzeitjob wurde, habe ich noch einmal bei der Sparkasse vorgesprochen. Die Beraterin hat sich alles angeschaut und angehört – und mir ein zweites Privatkonto (Onlinekonto) empfohlen, um die Buchungen zu trennen. Allerdings dieses ohne Dispo. Ein Geschäftskonto empfand sie nicht als sinnvoll, da ich keinen geschäftlichen Kreditbedarf hatte.

    An der Konstellation hat sich nun nach rund sieben Jahren nichts geändert. Für mich ist das super und die Sparkasse scheint damit kein Problem zu haben. Zumindest wurde es noch nie bei Beratungsgesprächen thematisiert.

    Antworten

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