Die Anforderungen an den elektronischen Rechnungsaustausch sind immer wieder Thema – egal ob mit Kunden oder Lieferanten. Bis dato gilt für die deutschen Unternehmer der “Zwang” zur qualifizierten elektronischen Signatur (QES) oder zum EDI-Verfahren. Anfang Februar hatte ich bereits über die Pläne des deutschen Gesetzgebers berichtet, diesen “Zwang” aufzuheben und die elektronische mit der Papierrechnung gleichzustellen.

Diese Änderung soll im Zuge des Steuervereinfachungsgesetztes (StVereinfG) 2011 (PDF) geschehen. Im Moment handelt es sich hierbei immer noch “nur” um einen Gesetzentwurf. Die Nutzung der qualifizierten elektronischen Signatur oder des EDI-Verfahrens sind auch weiterhin möglich. Nutzt der Unternehmer keines von beidem so hat der Empfänger über ein “innerbetriebliches Kontrollverfahren” einen verlässlichen Prüfpfad zwischen erhaltener Rechnung und erbrachter Leistung zu realisieren, welcher die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhalts und die Lesbarkeit der Rechnung sicherstellt.


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Nachdem diese Dinge Anfang Februar bekannt wurden gab es sehr viel Unklarheit und viele Fragen, auch bei Leuten, die durchaus mit dem Thema zu tun haben.

Etwas über 2 Monate war es dann recht ruhig um dieses Thema. Vorgestern, am 19.04.2011, überraschte dann das Bundesministerium für Finanzen (BMF) mit einer FAQ-Seite zu den Änderungen mit dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 bezüglich der elektronischen Rechnungen.

Auf dieser Seite werden wohl die meisten Fragen geklärt. Speziell die Aussage

Bei der Verwendung innerbetrieblicher Kontrollverfahren legt der Unternehmer selbst fest, in welcher Weise er die Rechnung überprüft, um zu gewährleisten, dass keine Änderungen vorgenommen wurden und die Rechnung vom zutreffenden Rechnungsaussteller versendet wurde.

lässt hierbei doch relativ viel Spielraum, wie ein solches “innerbetriebliches Kontrollverfahren” genau aussieht.

Ich persönlich werde auch zukünftig die Rechnungen mittels qualifizierter elektronischer Signatur versenden. Denn ich betrachte den Versand mit QES oder EDI weiterhin im Vorteil. Der Empfänger hat somit eine Sicherheit bzgl. der Unversehrtheit und Echtheit der Rechnung. Dies bestätigt auch das BMF:

Wird eine qualifizierte elektronische Signatur verwendet, ist für den Rechnungsempfänger sofort sichtbar, wenn während der Übertragung Änderungen in der Rechnung vorgenommen worden sind. Bei dem EDI-Verfahren ist der Übertragungsweg gesichert, so dass während der Übermittlung grundsätzlich keine Änderungen möglich sind.

Mit der FAQ hat das BMF nun für etwas mehr Klarheit und Verständnis auch für Nicht-Juristen gesorgt. Noch ist es – wie bereits erwähnt – nur ein Gesetzentwurf. Es ist davon auszugehen, dass das Gesetzt rechtzeitig verabschiedet wird und auch zum 01.07.2011 wie geplant wirksam wird. Gibt es zum Thema Neuigkeiten, werde ich sicherlich hier im Blog darüber informieren.

Wie halten Sie es derzeit mit elektronischen Rechnungen und wie werden Sie nach der neuen Regelung, wenn Sie dann gesetzlich verankert ist, verfahren?

Letzte Aktualisierung: 2016-08-12



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geschrieben von Steve Rückwardt
Ich bin Steve, Gründer und "Hausmeister" von lex-blog.de. Mit dem Blog möchte ich AnwenderInnen bei ihrer Arbeit mit den Produkten weiterhelfen. Neben dem Blog bin ich auch viel in Foren und sozialen Netzwerken unterwegs. mehr über mich


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Kommentare 2


  • von “mehr Klarheit” kann man – wie häufig – nicht reden.

    Zitat: “Verwendet der Unternehmer keine qualifizierte elektronische Signatur oder das EDI-Verfahren, ist durch ein innerbetriebliches Kontrollverfahren, das einen verlässlichen Prüfpfad zwischen Rechnung und Leistung schafft, sicherzustellen, dass die Echtheit der Herkunft und die Unversehrtheit des Inhalts sowie die Lesbarkeit der Rechnung gewährleistet sind. Wie das geschehen soll, legt jeder Unternehmer selbst fest.”

    Wie soll der Unternehmer etwas festlegen, wenn es keine Vorschläge gibt, welche Anforderungen gestellt werden.

    Daraus folgt, dass eine elektronische Rechnung ohne Signatur von uns nicht anerkannt werden wird.

    Antworten
    1. Steve Rückwardt

      Hallo Udo,

      nach meinem Verständnis wurde schon Klarheit geschaffen:

      Die Verwendung eines innerbetrieblichen Kontrollverfahrens, das einen verlässlichen Prüfpfad zwischen Rechnung und Leistung schafft, ist erforderlich, um die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhalts und die Lesbarkeit der Rechnung sicherzustellen. Es müssen hierfür keine neuen speziellen Verfahrensweisen innerhalb des Unternehmens geschaffen werden. Bereits ein entsprechend eingerichtetes Rechnungswesen kann als geeignetes Kontrollverfahren dienen, das die Zuordnung der Rechnung zur empfangenen Leistung ermöglicht.

      Der Begriff des innerbetrieblichen Kontrollverfahrens bedeutet dabei aber nicht, dass es sich um ein „technisches“ oder EDV-gestütztes Verfahren handeln muss. Auch in kleinen Unternehmen, die über kein kaufmännisches Rechnungswesen verfügen, können „innerbetriebliche Kontrollverfahren“ zur Überprüfung eingehender Rechnungen angewandt werden. In der einfachsten Form kann dies z.B. durch einen manuellen Abgleich der Rechnung mit der Bestellung und ggf. dem Lieferschein geschehen.

      Dies ist für mich schon eine klare Anforderung bzw. der Hinweis, dass keine sonderlich aufwändige Kontrollmethode erforderlich ist. Wie beschrieben werde ich zum Versand weiterhin auf QES setzen. Beim Empfang sehe ich anhand der gegenwärtigen Kenntnisse keine grösseren Probleme, da laut den Erläuterungen, die Herstellung des Zusammenhanges zwischen Lieferung und Rechnung ausreichend ist. Siehe auch:

      Durch einen Abgleich mit der Bestellung, dem Auftrag oder Vertrag und, ggf. dem Lieferschein überprüft der Unternehmer, ob die Rechnung inhaltlich ordnungsgemäß ist, also die Rechnungsangaben und der leistende Unternehmer zutreffend sind. Dies ist bereits aus anderen Gründen erforderlich, nämlich um die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs festzustellen.

      Diese Details waren vorher nach Sichtung des Gesetzentwurfes nicht wirklich klar.

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